Der Kriegerverein

Die Gründung von Kriegervereinen (durch Kriegsveteranen) in Deutschland begann nach dem Frankreichfeldzug 1870/71, so auch in Nieder Ochtenhausen mit einer Gründungsversammlung am 30.Oktober 1897.

Diese Gründungsversammlung wurde im Gasthaus Lüer Rademacher (heute Gasthof Quell) abgehalten. Die Anzahl der Gründungsmitglieder wird in alten Protokollen mit 34 beziffert.

In den Folgejahren entwickelt sich dann ein reges Vereinsleben. Schon im Oktober 1898 auf einer Generalversammlung wird beschlossen am 27. Januar 1899 den Geburtstag von Kaiser Wilhelm II mit einem Festball zu feiern. Es werden auch immer wieder regelmäßig oder unregelmäßig Versammlungen abgehalten in denen Vereinsfeiern oder Regularien beschlossen werden. In der Generalversammlung am 22. Oktober 1899 wird dann der erste Präsident (Johann Wilkens) gewählt.

Durch dieses rege Vereinsleben gewinnt der Verein an Interesse und verzeichnet am 6. Oktober 1900 schon 42 Mitglieder. Diese Mitglieder fröhnen aber nicht nur dem Vereinsleben sondern zeichnen auch Verantwortlich für die Unterstützung von Kriegsversehrten und Hinterbliebenen.

Um den Verein nach außen zu Representieren wird am 20. Mai 1902 beschlossen eine Vereinsfahne zu beschaffen, die dann mit einer Fahnenweihe am 14. Juni 1903 feierlich eingeweiht wird. Diese Fahne ist bis heute erhalten und hat Ihren Ehrenplatz auf dem Saal im Gasthof Quell.

Der Kriegerverein nennt sich "Kriegerverein Nieder Ochtenhausen und Umgegend" , was zum Ausdruck bringen sollte das z. B. auch Veteranen aus Ostendorf Mitglied in diesem Verein waren. Um ein bischen Abwechslung in das Vereinsleben zu bringen wird dann im Jahre 1904 beschlossen eine Theatergruppe zu gründen, die dann bei jedem Vereinsball eine Aufführung darbietet.

Durch die Kriegsereignisse der Jahre 1914 bis 1918 kommen die Vereinsaktivitäten weitestgehend zum Erliegen und erst 1920 wird der erste Kriegerball wieder gefeiert. Aber schon am 15. Juni 1924 beschließt man ein "Schützenfest" zu feiern. Leider ist nicht mehr zu ermitteln wann dieses erste Schützenfest stattfand, aber von nun an sind Schützenfeste ein regelmäßiger Bestandteil der Vereinsaktivitäten.

Zunächst wird in einer Sandkuhle geschossen, aber schon im Jahre 1926 wird der Schießplatz an seinen heutigen Standort in die ehemalige Lehmkuhle verlegt wo er dann im laufe der Jahre zu einem richtigen Schießstand ausgebaut wurde.

Bereits im Mai 1928 wird festgelegt, das das Schützenfest in jedem Jahr am zweiten Sonntag im Juli stattfinden soll. Auch das Interesse am Verein wird immer größer und man zählte bereits 64 Mitglieder. Leider ist in den alten Protokollen kein bester Schütze oder Schützenkönig erwähnt, denn erst im Jahre 1931 wird der erste Schützenkönig (Christoph Wedemeyer) proklamiert.

Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 ändert sich auch das Schützenwesen im Kriegerverein. So wird z.B. das Schießen reglementiert indem es zur Förderung der allgemeinen Wehrhaftigkeit dient, und auch Vorstände und Beiräte werden nicht mehr gewählt sondern ernannt. Und beim 40jährigen Jubiläum 1937 sprach man nicht mehr von einer Mitgliederversammlung sondern von einem Kameradschaftsappell.

Durch den Ausbruch des zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 kommen die Vereinsaktivitäten abermals fast vollständig zum erliegen, denn in einem Protokoll vom 29. März 1941 gibt es schon keinen Hinweis mehr auf ein Schützenfest. Lediglich findet ein Wettkampfschießen statt.

In den folgenden Jahren werden die Aktivitäten des Kriegervereins auf ein Minimum herunter gefahren und mit dem Protokoll vom 15. April 1944 enden die Aufzeichnungen des "Kriegervereins NiederOchtenhausen und Umgegend". Dieses Protokoll ist von Friedrich Mangels als Kameradschaftsführer, Hinrich Kahrs als Schriftführer und Hinrich Hoops als Rechnungsführer unterzeichnet.

Wegen der Kriegsereignisse ruhen nun die Aktivitäten des Vereins, der aber offiziell nicht aufgelöst wurde.