Geschichte

Vor rund 600 Jahren war Nieder Ochtenhausen ein Runddorf (gegen 1390)

Die geschichtlich Entwicklung Nieder Ochtenhausens beginnt im 15. Jahrhundert. Hier versuchte die Familie von der Lieth während des ganzen 15. Jhd. vom Landsherrn die Erlaubnis zum Bau einer Waninge auf ihrem Meierhof zu erlangen. Schließlich gab Erzbischof Johann Rode nach 1503, unter der Bedingung seine Zustimmung, dass von der Familie v.d. Lieth die Unverletzbarkeit der Rechte des Schlosses Vörde urkundlich garantiert würden. Jedoch hielt man sich nicht sehr lange daran, sondern besetzte sehr bald die wüsten Höfe des Schlosses Vörde in N.O: neu. Man baute zwei neue Höfe und bis 1511 zwei weitere Meierhöfe hinzu und stattete diese mit kultiviertem Moorland bzw. Ländereien aus.
Ziel war es, durch Umbruch und Urbarmachung von Wiesen und Weiden eine neue Siedlung entstehen zu lassen, wobei alle Rechte wie Jagd-, Fischerei oder Zölle beim adligen Hof blieben. Obgleich das ganze im Schutz des adligen Hofes entstandene Dorf mit seinen sechs Meierhöfen nichts mit einer Dammsiedlung zu tun hatte, wird ihm doch 1581 im Schatzregister die Rechtstellung des freien Dammes zuerkannt.
Doch erreichte die Familie v.d.Lieth weder eine kirchliche Exemotion (Befreiung von bestimmten Lasten und Pflichten gegenüber der Kirche) noch gar eine vollständige Ausgliederung aus dem Landrecht, sondern nur eine zivilgerichtliche Gewalt über das Dorf, jedoch keine Gerichtsbarkeit (Kriminaljurisdiktion).
Die Entwicklung des Dorfes nahm nun ihren Lauf. So ließ v.d. Lieth einen Knüppeldamm, der in der Nähe der jetzigen Kreisstraße 105 verlief, durch das Moor zur Höhne bauen. Es bildeten sich neue Höfe, so gab es Jahre später 3 Vollhöfe von ca. 800 Morgen, 4 1/3 Höfe mit ca. 170 Morgen, 4 1/6 Höfe, auch Kötner genannt, mit ca. 120 Morgen und vier Anbauern mit ca. 50 Morgen. Alle wohnten an der Stelle, die auch noch heute Dorf genannt wird. Nach einem Großbrand siedelten die 1/6 Höfe auf den heutigen Brink um.
Als bedeutend ist die Schifferei in Nieder Ochtenhausen zu bezeichnen, mehrere Schiffer hatten sich an der Oste angesiedelt, sie sorgten mit ihren Schiffen für den Abtransport des Torfes. Torfabbau, Verkauf und Verschiffung war eine der Haupteinnahmequellen der Landwirtschaft. Des weiteren siedelten mehrere Gastwirtschaften an der Oste an.
Doch den wahren wirtschaftlichen Aufschwung erlebte Nieder Ochtenhausen vor gut 220 Jahren. Denn Kommerzrat Patje auch Hannover hatte das Gut Nieder Ochtenhausen mit den wenigen Höfen im Jahre 1783 gekauft. Patje hatte große Pläne, er wollte seinen Besitz zu einem Verbund von Handwerks- u. Gewerbebetrieben ausbauen, dessen Herzstück die 1787 erbaute holländische Galeriewindmühle werden sollte. Die Mühle wurde am höchsten Punkt N.O. errichtet, dem heutigen Ortsteil Mühlheim.
Es wurden alle notwendigen Handwerksbetriebe angesiedelt, z.T. an der Oste, doch überwiegend in Mühlheim. Mit Patje begann die Neuzeit in Nieder Ochtenhausen. Er schuf nicht nur neue Ortsteile, sondern baute auch das alte Dorf komplett um. Er erweiterte es außerdem um zahlreiche noch heute bestehende Bauernhöfe.
Die Mühle verlor leider im neuen Jahrhundert an Bedeutung; so wurden Benzinmotoren hinzugeschaltet und ab 1921 (Anschluss an das Stromnetz) die Elektrizität genutzt. Windkraft war nicht mehr gefragt, es endet damit, dass die Mühle 1959 abgerissen wurden ist.

Im Laufe der Jahrhunderte ist aus dem ehemaligen Meierdorf einansehnliches Dorf entstanden mit mittlerweile ca. 1000 Einwohnern. Das Dorf ist von der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Struktur voll intakt. Das beweisen die zahlreichen im Ort ansässigen Betriebe sowie Vereine und Vereinigungen.
Unter den Vereinen, Vereinigungen und Bürgern besteht eine sehr gute Zusammenarbeit sowie Zusammenhalt; ein großer Beweis hierfür ist das 1988 gefeierte 200- jährige Gründungsjubiläum des Ortsteils Mühlheim. Ein ganzes Dorf war auf den Beinen, und ließ dieses Ereignis unvergesslich werden.

Abschließend noch etwas Erdkunde:
Nieder Ochtenhausen ist zur Hauptsache eine Geestinsel in einer Größe von 11 km². Es gibt aber am und im Ostetal auch Marsch und Moor. Bei der Gründung Nieder Ochtenhausens bestand die bezeugte Geestinsel nur aus Heideflächen ohne Wals. Die Oste umspannt Nieder Ochtenhausen östlich in einem Halbkreis von Süd nach Nord. Nieder Ochtenhausen trennt das Ostetal von den ausgedehnten Moorgebieten der Mehe. Der Oberlauf der Oste endet in Bremervörde, das Marsch- bzw. Flutgebiet beginnt. Bis hier hat die Oste ca. 1000 km² entwässert.
Das Nieder Ochtenhausen umspannende Ostetal ist sehr schmal, dadurch haben wir nur wenig Marschboden; das eigentliche Marschland beginnt weiter nördlich hinter der Einmundung der Mehe in die Oste. Sommer- und Winterfluten brachten den Nieder Ochtenhausener über Jahrhunderte hinweg immer wieder großes Leid und Schrecken. Jetzt ist dieses durch ein Sperrwerk und durch Eindeichung so gut wie ausgeschaltet. Die Deichbaumaßnahmen zogen sich, von kurzen Unterbrechungen abgesehen, über die letzten 80 Jahre hin und sind immer noch nicht ganz abgeschlossen.
Im südlichen Bereich durchzieht ein Waldgebiet von West nach Ost Nieder Ochtenhausen. Dieser Wald wurde um 1900 angepflanzt, im Wald befinden sich Feriengebäude.

Statistik

Erste urkundliche Erwähnung: 1503

1921 Strom- und Telefonanschluß
1888 Große Flut
1910 Sommerflut, Heuernte vernichtet

Nieder Ochtenhausen ist ein Dorf, welches in den letzten Jahren ständig mit Deichbaumaßnahmen konfrontiert wurde, zum Schutz der landwirtschaftlichen Flächen und der Bewohner: 1914 - 1918, 1932 - 1935, 1975 - jetzt und es wird noch immer gebaut.

Im Zuge von Deichbau- und Entwässerungsmaßnahmen entstandene Wasser- und Ausgleichsflächen bzw. Feuchtbiotope: 19,5 ha

Infrastruktur

Zentrale Erdgasversorgung, Abwasserentsorgung, Straßenbeleuchtung und Trinkwasserversorgung
Friedhofskapelle, Feuerwehrgerätehaus: Gemeinde
Kornspeicher
Sporthalle mit Clubraum - Eigentümer TuS N.O. und SV N.O.
Luftgewehrhalle mit Clubraum - Eigentümer TuS N.O. und SV N.O.
Kleinkaliberhalle mit 12 Ständen - Eigentümer TuS N.O. und SV N.O.

In den letzten 150 Jahren gab es 15 Bürgermeister.
Die Vereine im Dorf führen ca. 40 Veranstaltungen durch.

Fläche der Ortschaft
10,91 qkm
Einwohner
ca. 1002